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Die Kapelle

Wer mit der Eisenbahn von Donauwörth ins Ries fährt, den grüßt von hohem Felsen über dem träg dahinfließenden Wasser die Kapelle von Wörnitzstein. Es lohnt sich, über die steilen Stufen entlang eines 1977 neu errichteten Kreuzweges hinaufzusteigen. Überrascht wird der Besucher auf dem Felsvorsprung verweilen. Es bietet sich ihm ein Bild von großartiger Schönheit der Landschaft.

1750 wurde diese Kapelle erbaut an Stelle einer älteren, bereits um 1670 errichteten. Bauherr wer Abt Cölestin zu Kaisheim, an den am Eingang der Kapelle eine Steintafel erinnert. Sie diente einstmals wohl als weithin sichtbare Mahnung an das „angrenzende Luthertum“. Wie schon erwähnt, war die Wörnitz einmal die Grenze zwischen Protestanten und Katholiken, wobei es immer zu Auseinandersetzungen zwischen der Grafschaft Oettingen und dem Kloster Kaisheim gekommen ist.

Diese „besterhaltene und schönste Barockkapelle des Altlandkreises Donauwörth“ (Adam Horn: „Kunstdenkmäler von Schwaben – Landkreis Donauwörth“) ziert ein hervorragendes Deckenbild, das die Gründung der Kirche auf einem Felsen, dem die Hölle nichts anzuhaben vermag, illustriert. Der Schöpfer des Bildes ist der Maler Gottfried Bernhard Götz, der auch das Schloß Leitheim ausmalte. Mit dieser Kapelle hat Wörnitzstein ein kulturelles Erbe, ein barockes Juwel, das in seiner Ausdrucksweise und in seiner Einmaligkeit ein lebendiges Zeugnis des damaligen künstlerisch-gläubigen Schaffens ist.

Im Jahre 2000 wurde mit einer Bilderausstellung und einem Gedenkgottesdienst an die Errichtung gedacht. Wohl im Bewusstsein, dass diese Kapelle, einmal aus religiösem Geist errichtet, in diesem Gebiet auch weiter wirken soll. Denn die Kapelle, die nicht mehr von diesem Geist getragen ist, wäre ein Museum, eine Gedenkstätte der Vergangenheit, deren Schönheit traurig machen würde, weil sie tot wäre. Dass unsere Kapelle aber lebt, das bezeugen die vielen Besucher und die regelmäßigen Andachten und Prozessionen.